Beste investigative Leistung
Doping im deutschen Radsport
Erschienen in DER SPIEGEL in 2007Das Autoren-Team Geyer, Gorris, Hacke und Ludwig veröffentlichte eine Reihe von Artikeln zum Thema "Doping im deutschen Radsport". Auszüge aus zwei ausgewählten Artikeln können Sie hier lesen.
Der einzige Zeuge
In Belgien erscheint diesen Montag ein Enthüllungsbuch des Radsport-Masseurs Jef D'hont. Es beschreibt die Sitten und Gebräuche eines verseuchten Sports und erhebt schwere Vorwürfe gegen Ärzte der Freiburger Uni-Klinik und das Team Telekom, das planmäßig gedopt haben soll. Auch Jan Ullrich ist betroffen.
Tiefes Flandern, Desteldonk, ein Dorf in der Nähe von Gent, die Nordsee ist nicht weit. Auf der Wäscheleine hinter dem Haus hängen Radsport-Trikots, der Rasen ist kurzgeschnitten, die Weinstöcke sind ein Geschenk des ehemaligen Profifahrers Udo Bölts.
Auf dem Kiesweg parkt ein hellblaues Wohnmobil, Marke Iveco. Die Tür ist offen, hinten ein Matratzenlager, in der Mitte eine Küche mit Espresso-Maschine, vorn ein Tisch mit Bänken, Stift und Papier liegen bereit. "Das", sagt Jef D'hont, "ist mein Arbeitszimmer."
In solch einem Wohnmobil hat er Generationen von Radprofis durch Europa gefahren. Hier hat er ihre Muskeln massiert, Sieger gefeiert, Verlierer getröstet und das Epo transportiert. So ein Wohnmobil hat einiges erlebt, es kennt viele Geschichten, Geschichten, die nach Schweiß und Blut riechen und von denen die Welt nichts weiß. (...)
Auszug aus dem Artikel "Der einzige Zeuge" von Matthias Geyer, Lothar Gorris und Udo Ludwig, veröffentlicht in DER SPIEGEL 18/2007 (30. April 2007).
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Bellas Blut
Der Radrennfahrer Jörg Jaksche ist neben Jan Ullrich der zweite deutsche Fahrer auf der Kundenliste des spanischen Arztes Eufemiano Fuentes. Ein Jahr lang hat er dies dementiert. Nun stellt er sich im bislang größten Doping-Skandal des Profisports als Kronzeuge zur Verfügung - und erzählt die Geschichte seiner gedopten Karriere.
Sein Handy und eine schwarze Plastiktüte, das ist alles, was er mitgebracht hat ins Hotel Universo an der Piazza del Giglio von Lucca. Er trägt ein weißes Hemd, Jeans, Turnschuhe und sieht aus wie ein Student, der von einer Vorlesung kommt. Es ist Freitag, der 15. Juni, in drei Wochen beginnt die Tour de France. Jörg Jaksche wird nicht mitfahren dürfen.
Am Morgen hat er trotzdem trainiert, zwei Stunden lang in den Hügeln der Toskana. Normalerweise fährt er jeden Tag sechs Stunden, weil er die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, irgendwann wieder richtig Rennen zu fahren. Aber heute ist kein normaler Tag. Jaksche fragt, ob es Neuigkeiten gebe, neue Gerüchte, irgendetwas, was er wissen müsse. Er spricht leise und zögerlich, er spricht wie jemand, der sich seiner Sache nicht ganz sicher ist. (...)
Auszug aus dem Artikel "Bellas Blut" von Lothar Gorris, Detlef Hacke und Udo Ludwig, veröffentlicht in DER SPIEGEL 27/2007 (2. Juli 2007).
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