Wie das Böse nach Tessin kam
Erschienen in ZEITmagazin Leben am 21. Juni 2007
An einem Samstagabend im Januar klingelte der 17-jährige Felix D. mit einem Freund an einer Haustür in seinem Heimatdorf. Dann töteten sie mit unfassbarer Brutalität das dort lebende Ehepaar. Ein Versuch, diese Tragödie zu verstehen.
So kann man sich den Einschlag eines alles vernichtenden Meteoriten auf der Erdoberfläche vorstellen: Man steht friedlich auf seiner Terrasse, die Sonne scheint, man raucht eine Zigarette und weiß beim Anstecken noch nicht, dass es die letzte sein wird. Kein Grollen, kein Beben, kein Vorbote des Untergangs. Und dann, aus dem Nichts, fängt der Himmel Feuer, der Boden unter den Füßen bricht ein, und ein Sturm der Verwüstung fegt alles hinweg, was – war noch ehe das Gehirn begriffen hat.
Am Morgen eines milden Wintertags, des 14. Januar 2007, tritt Karl-Heinz D., damals Vorsitzender des Betriebsrats der ZEIT und bei der Innenverwaltung des Verlags beschäftigt, vor die Tür seines Hauses im Dorf Tessin, um eine Zigarette zu rauchen. Es ist Sonntag, am Abend zuvor war er mit seiner Frau im Kino gewesen. Jetzt trinkt sie in der Küche Kaffee, die beiden Kinder, die 15-jährige Jana und den 17-jährigen Felix, hat D. noch nicht gesehen, sie schlafen wohl noch. Der Mann braucht keine Jacke, die Sonne füllt die Terrasse mit milchigem Licht. Da tritt der Nachbar an den Zaun; "Schon gehört", fragt er herüber, "gestern Abend sollen in der Dorfstraße zwei umgebracht worden sein". "Ich schau mal vorbei", gibt D. zurück, löscht seine Zigarette und nimmt für die paar Hundert Meter das Auto. "Tatortneugier" habe ihn hingezogen, sagt er heute, eine Vorahnung hatte er nicht.
So kann man sich den Einschlag eines alles vernichtenden Meteoriten auf der Erdoberfläche vorstellen: Man steht friedlich auf seiner Terrasse, die Sonne scheint, man raucht eine Zigarette und weiß beim Anstecken noch nicht, dass es die letzte sein wird. Kein Grollen, kein Beben, kein Vorbote des Untergangs. Und dann, aus dem Nichts, fängt der Himmel Feuer, der Boden unter den Füßen bricht ein, und ein Sturm der Verwüstung fegt alles hinweg, was – war noch ehe das Gehirn begriffen hat.
Am Morgen eines milden Wintertags, des 14. Januar 2007, tritt Karl-Heinz D., damals Vorsitzender des Betriebsrats der ZEIT und bei der Innenverwaltung des Verlags beschäftigt, vor die Tür seines Hauses im Dorf Tessin, um eine Zigarette zu rauchen. Es ist Sonntag, am Abend zuvor war er mit seiner Frau im Kino gewesen. Jetzt trinkt sie in der Küche Kaffee, die beiden Kinder, die 15-jährige Jana und den 17-jährigen Felix, hat D. noch nicht gesehen, sie schlafen wohl noch. Der Mann braucht keine Jacke, die Sonne füllt die Terrasse mit milchigem Licht. Da tritt der Nachbar an den Zaun; "Schon gehört", fragt er herüber, "gestern Abend sollen in der Dorfstraße zwei umgebracht worden sein". "Ich schau mal vorbei", gibt D. zurück, löscht seine Zigarette und nimmt für die paar Hundert Meter das Auto. "Tatortneugier" habe ihn hingezogen, sagt er heute, eine Vorahnung hatte er nicht.