Besonders verständliche und anschauliche Dokumentation über einen komplexen, gegenwärtigen oder zeitgeschichtlichen Sachverhalt
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Erschienen in DIE ZEIT am 23. August 2007
Man zieht in gute Viertel, schickt die Kinder auf Privatschulen, achtet auf Stil und Manieren: Das Bürgertum grenzt sich ab und erschwert Menschen aus den unteren Schichten den Aufstieg.
Als Erstes gibt sie ihr Alter ein: 31 Jahre. Dann ihre Größe: 1,70 Meter. Ihr Gewicht: 63 Kilogramm. Ihre Hobbys: Wein trinken, Tanzen, Tennis. Zum Schluss ihren Beruf: Apothekerin. Sie stellt ein Foto ins Netz und drückt die Returntaste. Sie ist jetzt angemeldet bei einer der größten Kontaktbörsen im Internet. Es ist der 1. April, draußen ist es nass und trüb. Auf dem Monitor sieht sie bunte Bilder von Männern, die eine Frau suchen. Der da zum Beispiel: Sieht doch ganz nett aus. Was macht der beruflich? Werkzeugmacher. Ein Mausklick, und er ist weg. Und der? Hat es auch nicht aufs Gymnasium geschafft. Klick, weg. Der? Schreibt nicht, welchen Beruf er hat, weg. Weg. Weg. Weg. Sie klickt sich durch die Fotos, bis sie auf einen höheren Angestellten mit Abitur stößt. Schon besser. Sein Gesicht gefällt ihr, er ist 33 Jahre alt, sie schreibt ihm eine E-Mail. Der Soziologe Jan Skopek sitzt vor dem, was von der jungen Apothekerin übrig geblieben ist, und wartet. Sein Computer an der Uni Bamberg hat die Frau in grüne und gelbe Zahlenreihen verwandelt. Die Partnervermittlung hat Skopek die anonymisierten Daten von 22150 Männern und Frauen zur Verfügung gestellt. In Skopeks Computer werden sie so durchsichtig wie Pantoffeltierchen unter dem Mikroskop. Wer hat wen angeklickt? Wer hat wem gemailt, wer wem geantwortet? Wie lange hielt das Interesse?
Skopek, Nietengürtel, enge Jeans, gegelte Haare, schiebt seine Ray-Ban-Piloten-Sonnenbrille auf dem Schreibtisch hin und her. Er wartet, bis der Computer die Partnersuche der Apothekerin durchgerechnet hat. Er ist auf der Suche nach einem Muster, das ihm die Liebe in den Zeiten des Internets erklärt. Aber das Auswerten der Liebe dauert mitunter länger als das Anbahnen.
Jan Skopek ist Doktorand bei Hans-Peter Blossfeld, einem Bamberger Soziologieprofessor, der sich mit dem Heiratsverhalten der Deutschen beschäftigt. Und vor allem mit der Frage, wie sich die Partnerwahl auf die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik auswirkt.
Wie bitte? Wer wen heiratet, hat doch keinen Einfluss auf die Einkommensunterschiede im Land, oder? Doch, hat es. Sogar großen Einfluss.
Als Erstes gibt sie ihr Alter ein: 31 Jahre. Dann ihre Größe: 1,70 Meter. Ihr Gewicht: 63 Kilogramm. Ihre Hobbys: Wein trinken, Tanzen, Tennis. Zum Schluss ihren Beruf: Apothekerin. Sie stellt ein Foto ins Netz und drückt die Returntaste. Sie ist jetzt angemeldet bei einer der größten Kontaktbörsen im Internet. Es ist der 1. April, draußen ist es nass und trüb. Auf dem Monitor sieht sie bunte Bilder von Männern, die eine Frau suchen. Der da zum Beispiel: Sieht doch ganz nett aus. Was macht der beruflich? Werkzeugmacher. Ein Mausklick, und er ist weg. Und der? Hat es auch nicht aufs Gymnasium geschafft. Klick, weg. Der? Schreibt nicht, welchen Beruf er hat, weg. Weg. Weg. Weg. Sie klickt sich durch die Fotos, bis sie auf einen höheren Angestellten mit Abitur stößt. Schon besser. Sein Gesicht gefällt ihr, er ist 33 Jahre alt, sie schreibt ihm eine E-Mail. Der Soziologe Jan Skopek sitzt vor dem, was von der jungen Apothekerin übrig geblieben ist, und wartet. Sein Computer an der Uni Bamberg hat die Frau in grüne und gelbe Zahlenreihen verwandelt. Die Partnervermittlung hat Skopek die anonymisierten Daten von 22150 Männern und Frauen zur Verfügung gestellt. In Skopeks Computer werden sie so durchsichtig wie Pantoffeltierchen unter dem Mikroskop. Wer hat wen angeklickt? Wer hat wem gemailt, wer wem geantwortet? Wie lange hielt das Interesse?
Skopek, Nietengürtel, enge Jeans, gegelte Haare, schiebt seine Ray-Ban-Piloten-Sonnenbrille auf dem Schreibtisch hin und her. Er wartet, bis der Computer die Partnersuche der Apothekerin durchgerechnet hat. Er ist auf der Suche nach einem Muster, das ihm die Liebe in den Zeiten des Internets erklärt. Aber das Auswerten der Liebe dauert mitunter länger als das Anbahnen.
Jan Skopek ist Doktorand bei Hans-Peter Blossfeld, einem Bamberger Soziologieprofessor, der sich mit dem Heiratsverhalten der Deutschen beschäftigt. Und vor allem mit der Frage, wie sich die Partnerwahl auf die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik auswirkt.
Wie bitte? Wer wen heiratet, hat doch keinen Einfluss auf die Einkommensunterschiede im Land, oder? Doch, hat es. Sogar großen Einfluss.